Karpaltunnelsyndrom – wenn die Hand quetscht! Karpaltunnelsyndrom – wenn die Hand quetscht!

Karpaltunnelsyndrom – wenn die Hand quetscht!

Mitten in der Nacht, ein Kribbeln in den Fingern. Taubheit in Zeige- und Mittelfinger. Man schüttelt die Hand, reibt die Finger, und nach einigen Minuten lässt es nach. Bis zur nächsten Nacht. Das Karpaltunnelsyndrom kündigt sich oft so an: heimlich, nächtlich, zunächst scheinbar harmlos.

Fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Frauen häufiger als Männer, Menschen in der zweiten Lebenshälfte öfter als jüngere. Es ist das häufigste Nervenkompressionssyndom des menschlichen Körpers.

Was im Handgelenk eingeklemmt wird

Am Handgelenk verläuft der Nervus medianus durch einen engen Kanal: den Karpaltunnel. Dieser Tunnel wird aus den Handwurzelknochen und einem straffen Band, dem Ligamentum carpi transversum, gebildet. Wenn das Gewebe in diesem Kanal anschwillt, steigt der Druck auf den Nerv.

Der Nervus medianus versorgt die Handinnenfläche und die ersten drei Finger sowie die Hälfte des Ringfingers mit Gefühl und Bewegung. Wird er gedrückt, entsteht das charakteristische Kribbeln, Taubheit und Schmerz.

Warum die Beschwerden nachts stärker sind: Im Liegen neigt die Hand dazu, zu beugen. Diese Beugestellung erhöht den Druck im Karpaltunnel. Tagsüber, wenn die Hand bewegt wird und die Flüssigkeitsverteilung anders ist, lässt der Druck nach, die Symptome schwinden.

Ursachen und Risikofaktoren

Häufig findet sich keine einzelne Ursache. Zu den bekannten Risikofaktoren gehören: wiederholte einseitige Handbewegungen, wie sie bei Büroarbeit, Handwerksberufen oder bestimmten Sportarten vorkommen. Auch Schwangerschaft, Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes mellitus und Rheuma erhöhen das Risiko. Bei Diabetes schädigt eine schlecht eingestellte Blutzuckerkontrolle Nerven und Gefäße dauerhaft, was den Nervus medianus empfindlicher macht.

Im fortgeschrittenen Stadium verschwinden die Taubheitsgefühle nicht mehr vollständig. Die Feinmotorik lässt nach, Knöpfe zu schließen wird schwierig. Im schlimmsten Fall bildet sich die Daumenballenmuskulatur zurück, sichtbar als Einbuchtung an der Daumenwurzel.

Diagnose: Ein einfacher Test mit klarem Ergebnis

Die Elektrophysiologie gilt als Goldstandard: Mit einer Nervenleitgeschwindigkeitsmessung lässt sich die Schwere der Kompression exakt bestimmen. Sie gibt Auskunft darüber, ob der Nerv nur gereizt oder bereits geschädigt ist, und beeinflusst die Therapieentscheidung.

Zusätzlich kann ein Ultraschall den Nerv im Tunnel direkt darstellen. Ein verdickter Nervus medianus am Eingang des Karpaltunnels gilt als zuverlässiges Zeichen.

Behandlung: Schiene, Kortison oder kleine Operation

Im frühen Stadium kann eine Nachtlagerungsschiene helfen, die das Handgelenk in neutraler Position hält und den nächtlichen Druckanstieg reduziert. Kortison-Injektionen in den Karpaltunnel dämpfen Entzündungen und entlasten den Nerv vorübergehend.

Wenn das Karpaltunnelsyndrom fortschreitet, Nervenschäden entstehen oder die konservative Therapie keine ausreichende Besserung bringt, ist die Operation der klare nächste Schritt.

Der Eingriff dauert in der Regel fünf Minuten, unter örtlicher Betäubung. Das querende Band über dem Karpaltunnel wird durchtrennt, der Nerv entlastet. Nach etwa sechs Wochen ist die Hand uneingeschränkt belastbar. Die Langzeitergebnisse sind ausgezeichnet: Über 90 Prozent der Patienten sind nach der Operation dauerhaft beschwerdefrei.

Wann zu lange gewartet wird

Wer zu lange wartet, riskiert bleibende Nervenschäden. Ein tauber Finger, der sich auch nach erfolgreicher Operation nicht vollständig erholt, ist keine Seltenheit, wenn der Nerv über lange Zeit stark komprimiert war.

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine Erkrankung, bei der frühes Handeln nachweislich bessere Ergebnisse bringt als Abwarten. Wer erste Zeichen erkennt, einen Facharzt aufsucht und die Therapie konsequent umsetzt, hat hervorragende Aussichten auf eine vollständige Wiederherstellung der Handfunktion.