Wer mit 30 oder 35 Jahren Hüftschmerzen bekommt, denkt nicht sofort an das Gelenk. Zu jung, zu fit, zu aktiv. Die Schmerzen sitzen oft in der Leiste, manchmal diffus im Gesäß, manchmal am seitlichen Oberschenkel. Sie treten auf, wenn man lange sitzt und dann aufsteht. Beim Einstieg ins Auto. Nach dem Fußballtraining.
Häufig wird dann eine Adduktorenzerrung vermutet, eine Schambeinentzündung oder die sogenannte weiche Leiste. Bis jemand auf das Hüftgelenk selbst schaut. Und dort das findet, was in der Orthopädie als femoroacetabuläres Impingement bezeichnet wird, kurz FAI.
Was das FAI ist und wie es entsteht
Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk: Der runde Oberschenkelkopf gleitet in der Hüftpfanne. Damit das reibungslos funktioniert, müssen beide Gelenkpartner zueinander passen. Beim FAI tun sie das nicht ganz. Entweder ist der Oberschenkelkopf am Übergang zum Schenkelhals verdickt und nicht mehr rund, dann spricht man von einer Cam-Morphologie, oder die Hüftpfanne überdeckt den Kopf zu stark, das nennt sich Pincer-Morphologie. In vielen Fällen liegt eine Mischform beider Varianten vor.
Die Folge: Bei Beugung und Innenrotation der Hüfte stoßen Gelenkkopf und Pfannenrand aneinander. Bei jedem Schritt, bei jeder sportlichen Bewegung, beim langen Sitzen. Dieses wiederholte Anstoßen verletzt die Gelenklippe (Labrum acetabuli) und langfristig den Gelenkknorpel. Unbehandelt kann FAI zur vorzeitigen Hüftarthrose führen.
Die Cam-Morphologie tritt häufiger bei sportlichen Männern auf, das Pincer-Impingement eher bei Frauen. Zur Entstehung tragen kindliche Wachstumsstörungen am Hüftgelenk ebenso bei wie intensive sportliche Belastungen in der Adoleszenz, wenn die Wachstumsfugen noch offen sind.
Diagnose: Warum das FAI oft übersehen wird
Das FAI ist kein seltenes Krankheitsbild, aber es wird oft spät erkannt. Die Leistenschmerzen werden über Monate anderen Ursachen zugeschrieben. Studien zeigen, dass ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung knöcherne FAI-Morphologien aufweist, ohne jemals Beschwerden zu entwickeln. Das FAI ist also nur dann behandlungsbedürftig, wenn es klinische Symptome verursacht.
Die Diagnose wird klinisch gestellt: bestimmte Provokationstests, bei denen das Bein in definierte Positionen gebracht wird, lösen den typischen Schmerz aus. Eine Röntgenaufnahme in zwei Ebenen zeigt die knöcherne Morphologie. Ein MRT liefert Informationen über Labrumläsionen und Knorpelveränderungen.
Behandlung: Konservativ zunächst, operativ wenn nötig
Leichtere Formen des FAI können physiotherapeutisch gut behandelt werden. Ziel ist es, die hüftumgebende Muskulatur zu kräftigen, die Beckenstellung zu stabilisieren und Bewegungen zu erlernen, die das Impingement nicht provozieren. Ein Therapiezeitraum von sechs bis zwölf Wochen gilt als Richtwert.
Das FAI ist ein mechanisches Problem. Konservative Maßnahmen können die Symptome lindern, aber die knöcherne Ursache nicht beseitigen. Wenn die Gelenklippe verletzt und Knorpel beschädigt ist, hat die Hüftarthroskopie gute Ergebnisse gezeigt: Knöcherne Anbauten werden abgetragen, Labrumläsionen genäht oder rekonstruiert.
Eine unbehandelte Cam-Morphologie mit wiederholtem Labrumschaden gilt als präarthrotische Deformität. Das bedeutet: Ohne Therapie ist das Risiko erhöht, in einigen Jahren eine Hüftarthrose zu entwickeln. Frühzeitiges Handeln schützt das Gelenk.
Wer besonders aufpassen sollte
Junge sportlich aktive Menschen, insbesondere aus Kontaktsport- und Kampfsportarten, Fußball, Eishockey, Ballett, sollten bei hartnäckigen Leistenbeschwerden die Hüfte als mögliche Ursache nicht ausschließen. Auch wer in der Jugend intensiv trainiert hat und im Erwachsenenalter erstmals Hüftprobleme entwickelt, sollte an FAI denken.
Das FAI ist kein dramatisches Krankheitsbild. Wer es früh erkennt, es ernst nimmt und sich fachgerecht behandeln lässt, hat gute Chancen, das Gelenk langfristig zu erhalten.