Impingement - Wenn das Gelenk keinen Platz mehr hat! Impingement - Wenn das Gelenk keinen Platz mehr hat!

Impingement – Wenn das Gelenk keinen Platz mehr hat!

Es passiert meistens beim Heben des Arms: ein stechender Schmerz, als ob etwas klemmt. Oft ist der Schmerz besonders nachts schlimm, wenn man auf der betroffenen Seite liegt. Das Schulter-Impingement, im Deutschen auch Schulterengpass-Syndrom genannt, ist eine der häufigsten Diagnosen in der orthopädischen Praxis.

Rund jeder zehnte Bundesbürger zwischen 45 und 55 Jahren leidet daran, Männer und Frauen gleich oft. Das macht es zu einem echten Massenphänomen, das aber oft falsch oder zu spät behandelt wird.

Was im Gelenk passiert

Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers. Diese Beweglichkeit hat ihren Preis: wenig knöcherne Führung, viel Abhängigkeit von Muskeln, Sehnen und Schleimbeuteln. Zwischen dem Oberarmkopf und dem Schulterdach liegt ein enger Raum, der Subakromialraum. Sehnen der Rotatorenmanschette und ein Schleimbeutel liegen darin.

Wird dieser Raum zu eng, werden diese Strukturen bei jeder Armbewegung eingequetscht. Das ist das Impingement: Anstoßen. Bei jeder Armhebung. Wiederholt. Bis sich eine chronische Entzündung entwickelt.

Zwei Hauptformen können unterschieden werden. Das primäre Impingement hat oft eine knöcherne Ursache: ein hakiges Schulterdach, ein Knochensporn, altersbedingte Umbauprozesse. Das sekundäre Impingement entsteht durch muskuläre Dysbalancen, eine geschwächte Rotatorenmanschette, Fehlhaltungen oder Überlastung bei Überkopfarbeiten. Maler, Flugzeugmechaniker, Schwimmer und Tennisspieler gehören zu den typischen Risikogruppen.

Wie die Diagnose gestellt wird

Der erfahrene Orthopäde kann das Impingement oft schon durch klinische Tests eingrenzen: bestimmte Bewegungen unter Druck provozieren den typischen Schmerz. Ein Neer-Test oder ein Hawkins-Kennedy-Test gibt erste Hinweise. Zur Absicherung dient eine Röntgenaufnahme, die den Abstand zwischen Oberarmkopf und Schulterdach zeigt. Ein MRT kann Entzündungszeichen, Sehnenveränderungen oder beginnende Risse der Rotatorenmanschette sichtbar machen.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Kalkschulter, zur Frozen Shoulder und zu einer bereits eingetretenen Rotatorenmanschettenruptur, da diese Erkrankungen zwar ähnliche Symptome zeigen, aber unterschiedliche Behandlungen erfordern.

Konservativ vor operativ

In der Mehrzahl der Fälle lässt sich ein Schulter-Impingement ohne Operation behandeln. Der Weg ist allerdings nicht immer kurz: Behandlungen von sechs bis zwölf Monaten sind keine Seltenheit, bis eine spürbare Verbesserung eintritt.

Kernstück der konservativen Therapie ist die Physiotherapie. Ziel ist es, muskuläre Dysbalancen zu korrigieren, die Rotatorenmanschette zu stärken und die Schulterblattstellung zu normalisieren. Ein Therapeut, der versteht, wie das Schulterblatt bei Armbewegungen mitrotieren muss, kann Übungen entwickeln, die den Subakromialraum aktiv erweitern.

Entzündungshemmende Medikamente, vor allem nicht-steroidale Antirheumatika, kommen kurzzeitig zum Einsatz. Kortison-Injektionen in den Schleimbeutel können akute Schübe dämpfen, sollten aber nicht dauerhaft angewendet werden, da Kortison auf Dauer die Sehnen schädigen kann.

Wenn nach sechs bis zwölf Wochen konservativer Therapie keine Besserung eintritt, kann eine arthroskopische Operation erwogen werden. Dabei wird der Raum unter dem Schulterdach arthroskopisch erweitert, ein Knochensporn entfernt oder ein entzündeter Schleimbeutel abgetragen.

Was Betroffene selbst ändern können

Haltung spielt eine größere Rolle, als viele denken. Wer stundenlang am Schreibtisch sitzt, Schultern nach vorne zieht und die Schulterblätter in eine Abkippposition bringt, verengt den Subakromialraum dauerhaft. Eine kleine Korrekturbewegung, Schulterblätter leicht zusammenziehen und absenken, kann schon viel verändern.

Schlaf auf der betroffenen Seite sollte vermieden werden. Überkopfarbeiten, besonders wiederholt, sollten reduziert oder durch Arbeitshöhenanpassungen entlastet werden.

Das Schulter-Impingement ist eine Erkrankung, bei der kleine Anpassungen im Alltag, konsequente Physiotherapie und ausreichend Geduld in den meisten Fällen zu einer deutlichen Verbesserung führen. Wer zu früh aufgibt oder zu früh operiert, vergibt Chancen.