Fersensporn: Morgens der erste Schritt. Und sofort dieser Stich. Fersensporn: Morgens der erste Schritt. Und sofort dieser Stich.

Fersensporn: Morgens der erste Schritt. Und sofort dieser Stich.

Wer einen Fersensporn hat, kennt das Ritual: Aufstehen, erster Schritt auf den Boden, und ein stechender Schmerz schießt durch die Ferse. Als hätte jemand eine Nadel von unten hineingesteckt. Nach einigen Schritten wird es besser. Nach längerem Sitzen fängt es von vorn an.

Fersensporn ist ein Oberbegriff, der von den meisten Menschen für genau dieses Bild verwendet wird. Medizinisch lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn der plantare und der dorsale Fersensporn entstehen an unterschiedlichen Stellen, haben unterschiedliche Mechanismen und erfordern teils unterschiedliche Behandlung.

Zwei Varianten: Plantar und dorsal

Der plantare Fersensporn entsteht an der Unterseite des Fersenbeins, dort, wo die Plantarfaszie ansetzt: ein flächiges Sehnengewebe, das wie ein Spannbogen die Fußsohle von der Ferse bis zu den Zehengrundgelenken durchzieht. Bei chronischer Überlastung reagiert der Knochen an diesem Sehnenansatz mit einem knöchernen Ausläufer. Der sogenannte Sporn.

Wichtig zu verstehen: Der Sporn selbst ist nicht die Schmerzquelle. Die Schmerzen kommen von der entzündeten Plantarfaszie, der Plantarfasziitis. Bei etwa 70 Prozent aller Patienten mit Plantarfasziitis ist im Röntgenbild auch ein Fersensporn sichtbar. Bei den übrigen 30 Prozent gibt es die Entzündung ohne Sporn, aber mit denselben Beschwerden.

Der dorsale Fersensporn ist seltener. Er bildet sich am oberen Fersenbein, am Ansatz der Achillessehne. Der Schmerz sitzt hier nicht unter der Ferse, sondern an der Hinterseite, verursacht Druckschmerz und Rötungen, manchmal verstärkt durch den Schuhrand. Dieser Typ erfordert andere Schuhanpassungen und manchmal eine andere Behandlungsstrategie.

Wer betroffen ist und warum

Fersensporn trifft primär Menschen, die lange stehen oder gehen, übergewichtige Patienten, Läufer und Sportler mit hoher Laufbelastung, aber auch Menschen mit Senkfuss oder verkürzter Wadenmuskulatur. Das Fersenfettpolster, das die Ferse natürlich dämpft, verliert mit dem Alter an Volumen und Pufferwirkung. Das erhöht die Belastung am Sehnenansatz.

Auch Fehlstellungen der Beinachse, Becken- und Wirbelsäulenfehlstellungen können zu einer Mehrbelastung der Plantarfaszie führen. Falsches Schuhwerk ohne ausreichende Sohlendämpfung ist ein weiterer Risikofaktor, der direkt beeinflusst werden kann.

Diagnose: Was der Arzt untersucht

Die Diagnose stellt sich klinisch: Druckschmerz am Fersenbeinhöcker, verstärkte Schmerzen beim Anziehen der Zehen nach oben, Anlaufschmerz nach Ruhephasen. Ein Röntgenbild zeigt den knöchernen Sporn, wenn er vorhanden ist. Der Sporn allein erklärt aber nicht den Schmerz, daher ist die klinische Untersuchung entscheidend.

Ein Ultraschall kann die Verdickung der Plantarfaszie direkt darstellen und ist damit oft informativer als das Röntgenbild für die Behandlungsplanung.

Behandlung: Geduld ist Teil der Therapie

Die gute Nachricht: Über 90 Prozent der Betroffenen werden bei konsequentem Einhalten des Therapieplans auch ohne Operation vollständig beschwerdefrei. Die schlechte: Dieser Prozess dauert. Oft mehrere Wochen, manchmal Monate.

Der erste Baustein ist mechanische Entlastung: Einlagen mit Fersenpolster oder Fersenerhöhung reduzieren den Druck am Sehnenansatz. Geeignetes Schuhwerk mit ausreichender Dämpfung und Absatzerhöhung mindert die Spannung in der Plantarfaszie. Für den dorsalen Fersensporn gilt: Schuhe mit weicher Hinterkappe und ggf. Fersenerhöhung.

Der zweite Baustein ist Dehnung. Regelmäßige Dehnungsübungen der Plantarfaszie und der Wadenmuskulatur, täglich mehrfach durchgeführt, sind wissenschaftlich gut belegt. Eine einfache Übung: morgens vor dem ersten Schritt die Zehen nach oben ziehen und halten. Das entlastet die Faszie beim Auftreten.

Eine Nachtlagerungsschiene, die den Fuß in leichter Dorsalextension hält, verhindert die nächtliche Verkürzung der Plantarfaszie und reduziert den Anlaufschmerz morgens.

Wenn die Grundbehandlung nicht reicht

Bei unzureichender Besserung nach vier bis sechs Wochen konservativer Therapie stehen weitere Optionen zur Verfügung. Die Stoßwellentherapie ist bei Plantarfasziitis als Kassenleistung anerkannt und hat in dieser Indikation eine solide Evidenzbasis. Sie regt Heilungsprozesse im Gewebe an und kann die Beschwerden auch bei chronischen Verläufen reduzieren.

Eine Eigenbluttherapie (ACP oder PRP) zielt auf die körpereigenen Wachstumsfaktoren. Kortison-Injektionen wirken schnell schmerzdämpfend, sollten aber zurückhaltend eingesetzt werden: Sie unterdrücken die Entzündung, können bei wiederholter Anwendung aber das Plantarfasziengewebe schädigen.

Eine Operation ist die seltene Ausnahme und kommt erst bei therapieresistenten Verläufen infrage. Sie wird minimalinvasiv durchgeführt, die Plantarfaszie wird partiell eingeschnitten oder das Fersenspornmaterial wird abgetragen.